Ein Anruf, eine Mail und das Geld ist weg
„Hallo, hier ist die Geschäftsführung. Ich bin gerade in einer vertraulichen Übernahme und brauche heute noch eine Überweisung.“ So oder ähnlich beginnt CEO-Fraud. Eine verwandte Masche ist der Rechnungsbetrug: Ein vermeintlicher Lieferant teilt mit, dass sich seine Bankverbindung geändert hat.
Beide Tricks brauchen keine Schadsoftware. Sie nutzen Zeitdruck, Autorität und Routine. Und sie treffen gerade kleine Betriebe, weil dort oft eine Person allein überweist.
Wie die Täter vorgehen
- Recherche: Namen, Zuständigkeiten und Lieferanten stehen auf Website, LinkedIn oder im Handelsregister.
- Vertrauen herstellen: Die Mail kommt von einer fast gleichen Domain, aus einem übernommenen Postfach eines echten Lieferanten oder wird von einem Anruf begleitet.
- Druck aufbauen: „Vertraulich“, „heute noch“, „bitte niemandem sagen“.
- Zahlung umleiten: auf ein neues Konto, oft im Ausland oder bei einer Online-Bank.
Neu ist, dass Stimmen mit KI nachgeahmt werden können. Ein Anruf mit der vertrauten Stimme der Chefin ist kein sicherer Beweis mehr.
Die wichtigste Regel: Rückruf über bekannte Nummer
Jede Änderung einer Bankverbindung und jede ungewöhnliche Zahlungsanweisung wird über einen zweiten, bekannten Kanal bestätigt. Also nicht über die Telefonnummer aus der Mail, sondern über die Nummer aus Ihren Stammdaten oder einem alten Vertrag.
Weitere Schutzmaßnahmen
Organisatorisch
- Vier-Augen-Prinzip für Zahlungen über einem festgelegten Betrag und für neue Empfänger
- Schriftliche Regel, dass die Geschäftsführung niemals per Mail um geheime Eilüberweisungen bittet
- Stammdatenänderungen nur nach Rückruf, mit Notiz, wer wann bestätigt hat
- Codewort für echte Eilfälle, das nicht per Mail verschickt wird
Technisch
- MFA für alle Postfächer, damit Ihr eigenes Konto nicht für Betrug missbraucht wird (Passwortmanager und MFA)
- SPF, DKIM und DMARC für Ihre Domain (Anleitung)
- Hinweis „Externe E-Mail“ im Betreff oder Banner
- Warnung bei ähnlich aussehenden Absenderdomains, wenn Ihr Mailsystem das kann
Was tun, wenn es passiert ist?
- Sofort die Bank anrufen und einen Rückruf der Zahlung versuchen. Jede Stunde zählt.
- Anzeige erstatten, in Sachsen-Anhalt etwa über die Onlinewache der Polizei.
- Postfach prüfen: Wurde ein Konto übernommen? Passwörter ändern, Weiterleitungsregeln kontrollieren.
- Versicherung informieren, falls eine Cyberversicherung besteht. Viele Policen behandeln Betrug durch Täuschung gesondert.
- Datenschutz prüfen: Sind personenbezogene Daten abgeflossen, kann eine Meldepflicht bestehen.
Typische Fehler
- Die Bankverbindung „schnell mal“ in der Buchhaltung geändert, weil die Mail echt aussah
- Rückruf über die Nummer aus der Signatur der verdächtigen Mail
- Scham: Betroffene melden den Vorfall zu spät
Häufige Fragen
Hilft eine Schulung wirklich? Ja, besonders mit konkreten Beispielen aus dem eigenen Alltag. Wer die Masche einmal gesehen hat, erkennt sie eher. Siehe auch Phishing erkennen.
Sind wir zu klein, um Ziel zu sein? Nein. Gerade kleine Betriebe haben selten ein Vier-Augen-Prinzip und sind deshalb attraktiv.
Fazit
Gegen CEO-Fraud und Rechnungsbetrug helfen vor allem klare Abläufe: Rückruf, Vier-Augen-Prinzip und keine Ausnahmen bei Zeitdruck. Wenn Sie die technischen Grundlagen absichern möchten, sehen Sie sich unsere IT-Sicherheitsleistungen an.



