Eine Cyberversicherung ersetzt keine IT-Sicherheit
Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen denken über eine Cyberversicherung nach. Das ist vernünftig: Ein Angriff kann Betriebsunterbrechung, Wiederherstellungskosten und Forderungen Dritter nach sich ziehen. Aber viele unterschätzen, was die Versicherer vorher wissen wollen und was im Kleingedruckten steht.
Ich bin kein Versicherungsmakler und berate nicht zu Tarifen. Aus IT-Sicht kann ich aber erklären, welche technischen Fragen im Antrag fast immer auftauchen und warum ehrliche Antworten wichtig sind.
Was eine Cyberversicherung typischerweise abdeckt
Je nach Tarif unterschiedlich, häufig aber:
- Kosten für IT-Forensik und Wiederherstellung
- Ertragsausfall durch Betriebsunterbrechung
- Kosten für Krisenkommunikation und Rechtsberatung
- Ansprüche Dritter, etwa bei Datenverlust von Kunden
- Zugang zu einer Notfall-Hotline mit Fachleuten
Was oft nicht oder nur eingeschränkt versichert ist: Lösegeldzahlungen, grob fahrlässig verursachte Schäden, bekannte, aber nicht behobene Sicherheitslücken und Schäden durch veraltete Systeme.
Die technischen Fragen im Antrag
Diese Punkte fragen Versicherer sehr häufig ab:
- Mehrfaktor-Anmeldung (MFA): für E-Mail, Fernzugriff und Admin-Konten. Für viele Versicherer ist das eine Grundvoraussetzung. Hilfreich dazu ist unser Beitrag zu Passkeys.
- Backups: regelmäßig, mindestens eine Kopie getrennt vom Netzwerk, Wiederherstellung getestet.
- Updates: Betriebssysteme und Software werden zeitnah aktualisiert, keine Systeme ohne Herstellerunterstützung. Stichwort Windows 10.
- Virenschutz und Firewall auf allen Geräten bzw. am Netzwerkübergang.
- Admin-Rechte: Normale Benutzer arbeiten ohne Administratorrechte.
- Schulung: Mitarbeitende werden zu Phishing sensibilisiert.
- Notfallplan: Es gibt einen dokumentierten IT-Notfallplan.
Warum ehrliche Antworten so wichtig sind
Die Angaben im Antrag werden Teil des Vertrags. Stellt sich nach einem Schaden heraus, dass zum Beispiel keine MFA aktiv war, obwohl „Ja“ angekreuzt wurde, kann der Versicherer die Leistung kürzen oder verweigern. Kreuzen Sie also nur an, was wirklich umgesetzt und dokumentiert ist.
Mein Rat: Gehen Sie den Fragebogen gemeinsam mit Ihrem IT-Dienstleister durch, bevor Sie unterschreiben. Was noch fehlt, wird vorher umgesetzt. Das senkt das Risiko und oft auch den Beitrag.
Checkliste vor dem Abschluss
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Cyberversicherung für einen Betrieb mit fünf Mitarbeitern? Das hängt davon ab, wie stark Sie auf IT angewiesen sind und welche Daten Sie verarbeiten. Lassen Sie sich von einem unabhängigen Makler beraten.
Ersetzt die Versicherung Schutzmaßnahmen? Nein. Ohne Grundschutz bekommen Sie oft gar keinen Vertrag, und im Schadensfall sind fehlende Maßnahmen ein häufiger Streitpunkt.
Fazit
Eine Cyberversicherung ist ein sinnvoller Baustein, wenn die Grundlagen stimmen. Wer MFA, Backups, Updates und Notfallplan sauber umgesetzt hat, kann den Antrag ehrlich ausfüllen und ist im Ernstfall gut aufgestellt. Wenn Sie die technischen Punkte vorher prüfen lassen möchten, finden Sie uns unter IT-Sicherheit.



